Abendener Sagen

Im „Bildatlas der Kreissparkasse Düren – Das Dürener Land“ schreibt Balthar Schmitz zu diesem Thema: „Das umfangreiche Sagengut, das sich um den Ort rankt, läßt manchen Einblick in die Entwicklung dieses Gebietes tun. Berichte von Pestzeiten und Kosakenüberfällen, die Sagen von einer versunkenen  Burg  auf  der  Hundsley,  von  Geisterherden,  Einsiedlern und Mondmännern lassen den langen Atem der Geschichte in diesem Talgebiet zwischen dem Kühlenbusch, dem Hontjesberg, dem Roßberg und dem Odenbleuel zumindest erahnen.“

Der Name „Hundsley“ wird in Abenden in Verbindung mit den Hunnen gebracht, die sich im 4./5. Jahrhundert n. Chr. u.a. unter ihrem Führer Attila († 453) gegen Europa wandten und durch die Zerstörung des ostgotischen Reichs in Südrussland die „Völkerwanderung“ auslösten. Sicherlich ist die bereits erwähnte Volksversion der Namensdeutung die geeignetere. Dann kennen wir noch die „Kosaken“, jene entflohenen russischen Leibeigenen,

die unter eigenen Feldherren Heere bildeten (Ataman) und seit dem 15. Jahrhundert vom Zaren anerkannt wurden. Diese beiden Gruppen werden oft als ein- und dasselbe betrachtet.

Die Kosaken zerstörten Abenden.

Der Volkssage gemäß sind die drei benachbarten Ortschaften Hausen, Blens und Abenden in Kriegszeiten zweimal niedergebrannt worden. Die Kosaken sollen am schlimmsten in den Dörfern gehaust haben. Genaueres weiß man über das Schicksal des Dorfes Abenden.

Auf ihrem Zuge durch unsere Gegend näherten sich die Kosaken dem Dorfe Abenden. Die Kundschafter, die sie vorausgeschickt hatten, wurden von den Bewohnern getötet. Das erzürnte den russischen Heerführer. Sofort gab er den Befehl, den Ort niederzubrennen und an den Bewohnern Rache auszuüben. Der grausame Befehl wurde auch ausgeführt. Alle Bewohner, die nicht geflohen waren, wurden getötet. Selbst die hilflosen Kinder fanden kein Erbarmen. Sie wurden auf den Bajonetten aufgespießt, und dann wurde Fangball mit ihnen gespielt, indem ein Soldat sie dem anderen im Bajonett zuwarf. Bei diesem gräßlichen Werke traf ein Soldat in einem Hause auf ein Kind in der Wiege, das ihn beim Eintritte anlächelte. Das rührte das rohe Soldatenherz. Um es grausamer Hand zu entziehen, legte der Soldat das Kind auf die Erde und stülpte die Wiege darüber. Seine Kameraden, die ins Haus dringen wollten, hielt er mit den Worten zurück: „Kommt, hier ist das Werk schon vollbracht.“ Einer aber störte sich nicht an ihn. Kurz nachher sah man das Kind am Bajonett aufgespießt.

Eine andere Variante bringt den Felsen mit einer römischen Hundertschaft, die auf dem Burgplatz gelagert haben soll, in Verbindung:

 

Burg auf der Hundsley

 

Burg auf der Hundsley bei Abenden

Nördlich von Abenden erhebt sich ein hoher Bergkegel mit einem mächtigen Felskolosse, welcher Hundsley genannt wird. Auf diesem Berge soll der Sage nach eine Burg gestanden haben; andere sagen, es seien Festungswerke gewesen, welche die dort vorbei führende Straße beschirmen sollten. Wirklich sieht man an der Südseite, der schwächsten und allein zugänglichen Stelle, noch heute Reste von Wallgräben. Auch weisen die Leute auf anscheinend künstlich angelegte Durchbruchsgräben an der Ostseite hin. Von Mauerresten findet man aber nirgends eine Spur.

Weismantel: „Im Jahre 1967 konnte der Architekt B. Goerres, Düren, an der Südwestecke der Kuppe, etwa unterhalb des Plateaus, im anstehenden Felsen Bearbeitungsspuren erkennen. Diese eckigen ausgehauenen Nischen von 0,3-0,6 m Breite und 1,5 m Tiefe haben der Befestigung der Anlage gedient. Im Schutt wurden Eisennägel, Knochenreste, Teile eines Hirschgeweihes und Scherben von Kugeltöpfen und rotbraun gemalter Pingsdorfer Ware geborgen, die es erlauben, die Wehranlage in das Mittelalter zu datieren.

In den Bonner Jahrbüchern liest man folgendes über die Burg auf der Hundsley:

Abenden (Kreis Düren). Eine kleine längliche Bergkuppe, Hundsley genannt, mit nur etwa 10 x 30 m großer Oberfläche und weitem Blick über das Rurtal und die Höhen der Eifel nach Süden und Westen, etwa 450 m nordöstlich der Kirche Abenden ist auf der flachen abfallenden Nordseite durch zwei terrassenförmig übereinander am Hange gelegene Wälle, die an ihrem nordwestlichen Ende leicht hakenförmig einbiegen, geschützt. Die steil­abfallende und durch Felsen noch unzugänglichere Südwestseite zeigt keine Wallreste. Nach Nordosten zu dem zur Höhe 311,6 ansteigenden Bergrücken ist die Kuppe durch eine kräftige, offenbar künstliche Höhle, genannt „Am Kerf“, abgetrennt.

In einem anderen Bericht heißt es:

Abenden, Kreis Düren:

An der Westseite des Mittelberges ist von diesem eine kleine längliche Kuppe, genannt Hundsley, abgetrennt. Auf ihr befinden sich die noch deutlich erkennbaren Reste einer Wehranlage. R. v. Uslar führt sie als doppelten kleinen Abschnittswall an. Da die Zeitstellung der Anlage bisher ungeklärt war, wurde im Berichtsjahr unter Leitung von Architekt B. Goerres, Düren, eine kleine Untersuchung durchgeführt.

An der Südwestecke des Burgplatzes waren etwas unter dem Bergplateau in den anstehenden Felsen Bearbeitungsspuren zu erkennen. Bei der Untersuchung an einigen nebeneinander liegenden Stellen wurden hier eckig ausgehauene Nischen festgestellt, die 0,3-0,6 m breit und 1,5 m tief waren. Nach Lage und Ausführung darf angenommen werden, daß hier zur Verstärkung der Abwehr und zur Erschwerung des an und für sich schon schwierigen Aufstiegs hölzerne Palisaden befestigt waren.

In dem angesammelten Schutt werden Eisennägel, Knochenreste, Teile eines Hirschgeweihes und Scherben von mittelalterlichen Gefäßen gefunden. Es handelt sich um Bruchstücke von Kugeltöpfen aus grauem, hart gebranntem Ton mit schwach abgesetzter runder Randlippe. Von den Unterteilen der Gefäße ist nichts erhalten. Scherben von rotbraun bemalter Pingsdorfer Ware gingen leider nach der Bergung verloren. (J. Gerhards)“

Zwischen Hondjesberg und Hundsley liegt eine Höhle, die im Volksmund „Jenneshäuschen“ genannt wird.

„Das Jennestal in der Richtung aus Berg hin weist etwa zwanzig Minuten von Abenden an der rechten Talwand eine Felsenhöhle auf, die „Jenneshöhle“ heißt. Die Höhle und das Tal sollen ihren Namen einem Einsiedler namens Jenns verdanken, der dort wohnte und sich von wilden Kaninchen ernährte.“ Weismantel fügte hinzu: „Noch heute wird die Hundsley gerne aufgesucht, um Neujahr oder eine bestandene Prüfung (Lehrer) zu feiern. Dann singt man: Wir steigen auf die Hundsley, dort geht der Blick so weit …“

In seiner Dokumentation zum 75-jährigen Bestehen des Abendener Männergesangvereins „Liederkranz“ im Jahre 1983 gibt Weismantel auf der Seite 7 den vollständigen Text des Lieds wieder. Der Refrain lautet dort:

„Ja, wir steigen auf die Hundslei,
da ist der Blick so frei.
Wie atmet da die Brust
die frische, reine Luft.
Wir grüßen mit Gesang
und hellem Jodelklang
die Leute allzumal
drunten im tiefen Tal.“

Der dreistimmige Chor (1. und 2. Sopran, 1. Alt) trägt den Titel „Unsere Hundslei“. Den Text dafür schrieb Josef Saurbier, die Melodie („frisch-fröhlich zu singen“) stammt aus der Feder von Hubert Jansen. Das Kompositionsblatt liegt dem Verfasser im Original vor. Die erste Strophe hat ihm zu Folge diesen Wortlaut: „Man lobt gewiß den Drachenfels, und auch den Blocksberg sehr, wir haben unsre Hundslei hier, die lieben wir noch mehr, wo die Germanen einst gehaust, da stehen wir so gern, und schaun hinab ins enge Tal, und weiter in die Fern.“


Die geisterhafte Herde

Von der Grepp, einer Schlucht oberhalb Abenden, hörte man eines Abends starkes Getöse sich nähern. Eine große Schafherde, von Hunden umjubelt und von Schäfern mit lautem Ruf angetrieben, durchzog blökend das Dorf und verschwand lautlos in der Rur. Die Bewohner, die herausgeeilt waren, wußten sich den Vorgang nicht zu erklären. Ein alter Mann aber sagte: „Das war die wilde Jagd, die schlimme Zeiten ankündigt.“

Ein Motiv, das es auch für Nideggen, Brück und Hetzingen gibt und das von Theo Kreyes für Berg ebenfalls genannt wird. Es ist aber ein Motiv, das nicht nur in unserer näheren Heimat zu finden ist. So lesen wir in den „Heimatblätter“ von 1927 eine Version der wilden Jagd, die sich im Raum Schmidtheim in der Eifel zugetragen hat. „Die ganze Hölle ist losgelassen, heulend in den entsetzlichsten Flüchen, zähnefletschend wie wütende Raubtiere, tausend Fratzengesichter, Stierhörner, Bocksfüße, Teufelskrallen, sinnverwirrend kommt´s näher und näher. Und davor die unseligsten aller Kreaturen, zu Tode gehetzt, den Kopf in den Nacken gedreht, um die grausigen Verfolger immer sehen zu müssen, eine endlose Schar von Verdammten.“

Hier bezieht sich die Jagd auf die „Zwölfnächte“, die Nächte zwischen Weihnachten und dem Fest der heiligen drei Könige. Ebenfalls aufgeführt ist eine auf einen Grenzstein bezogene Sage, und zwar die „Vom Bauer, der den Grenzstein versetzte“.

 

Die Pest in Abenden

Um das Dorf Abenden führen mehrere, jetzt wenig benutzte Gäßchen und Pfade, die man „Not-“, auch wohl „Pestgäßchen“ nennt, über welche die Volkssage  folgendes berichtet: In alter Zeit herrschte in Abenden die Pest, die man auch den schwarzen Tod nannte. Die Seuche raffte viele dahin. Die Palländerstraße, die bevölkertste des ganzen Ortes, wies zuletzt nur noch dreizehn Personen auf. Auch in der Umgegend und im ganzen Montjoier(Monschauer)lande wütete die Krankheit in gleicher Weise. In Huppenbroich bei Simmern (wohl: Simmerath) kam es oft vor, daß manche Haustüren sich morgens nicht öffneten, denn über Nacht hatte der unerbittliche Tode alle Hausbewohner dahingestreckt. In manchen Dörfern konnte man nicht genug Särge herbeischaffen. Man umwickelte die Leichen nur mit Stroh und vertraute sie so der Erde an. Wegen der Gefahr der Ansteckung gingen Auswärtige nicht durch die verseuchten Orte, sondern um die Dörfer. In dieser Zeit sollen die Pfade und Gäßchen um die Dörfer entstanden sein, die man deswegen in Abenden Not- oder Pestgäßchen nennt.

Karl Guthausen hat in seinem 2. Band eine weitere Pestsage aufgezeichnet, die zwar in Nideggen spielt, wegen der Thematik aber gut an diese Stelle passt:

 

Die unheimlichen Ritter

Auf der Burg Nideggen wurde ein großes Maskenfest gefeiert. Während im Rittersaal die Flöten und Geigen erklangen und der Schein vieler Kerzen durch die Burgfenster in die Dunkelheit fiel, näherten sich auf sonst unüblichen Pfaden zwei vermummte Reiter der Burg. Bevor sie den Festsaal betraten, banden sie noch einmal ihre Masken fest.

Unerkannt und fast unbeachtet mischten sich die beiden Ritter unter die Tanzenden. Alles war eitel Lebenslust und Freude.

Den einen Ritter fragte eine Tänzerin: „Was sind Eure Hände so weich und weiß und fiebrig!“ Doch sie erhielt keine Antwort. Ein Mädchen im Arm des anderen sagte: „Eure Hände sind so knochenhart, und warum klappern Eure Knochen?“ Die Gestalt antwortete: „Bald geht der Tanz zu Ende, und die Musik klingt aus. Bei der Demaskierung könnt Ihr sehen: zwei Ritter jung und schön.“

Dann kam die Demaskierung, und beim hellen Kerzenlicht sah man viele stolze Ritter und schöne Frauen aus dem nördlichen Eifelland. In der fröhlichen Runde standen Adlige aus Reifferscheid, Dreiborn, Wildenburg, Blankenheim, Kronenburg, Heimbach, Veynau, Herzogenrath und Merode. Viele stolze Mütter mit ihren schönen Töchtern spendeten Applaus. Auch manche Tochter eines Hüttenmeisters aus dem Schleidener Tal und die schöne Ivonne aus dem Roten Haus zu Monschau waren zum Maskenball erschienen. Bald wurde auf einen Wink der Gastgeberin, der Herzogin von Jülich, wieder zum Tanz aufgespielt.

Die beiden unheimlichen Gäste standen immer noch mit ihren Masken da. Voller Unmut rief die Herzogin, als sie es bemerkte: „Ihr Ritter, wollt Ihr immer noch nicht die Masken lüften? Es ist an der Zeit!“

Eilfertig riß darauf ein Edelfräulein dem einen Rittersmann die Maske ab, wich aber entsetzt zurück und hielt sich taumelnd an einer Säule fest. Das Gesicht des Ritters war bleich und voller Pocken und Narben. Mit zahnlosem Mund rief er mit heiserer Stimme: „Ich heiße hier im Land die Pest!“

Der andere Ritter riß sich selbst seine Maske herunter, zeigte sein bleiches Gebein und rief mit unheimlicher Stimme: „Ihr alle seid mein! Ich heiße hier im Land der Tod!“

Jetzt packte die Herren und Frauen das Entsetzen. Alles drängte zu den Saaltüren. Kein Ritter suchte sein Schwert, keiner faßte seine Dame, der das Herz im Leibe stehenbleiben wollte, an der Hand.

Wo sich vorher noch voller Freude die Tanzpaare im Kreise gedreht hatten, herrschte nun ein großes Gewirr. Weinkelche entfielen den Händen, Geschirr polterte auf den Boden, Tische und Stühle wurden umgestürzt und Flöten und Geigen lagen umher. Schließlich setzten umgefallene Kerzen die hölzernen Wände in Brand.

In der Eifel ging der Tod um. Mancher Ritter und manche Edelfrau wie auch hörige Bauern wurden im Nideggener wie auch Jülicher Land ein Opfer des „Schwarzen Todes“, der Pest.“ (n. V. Baur)

Zu Abenden gehört eine Sage, die Dr. Reinhold Heinen in einer Arbeit über Kalterherberg wiedergibt (* 7.1.1894 in Düsseldorf – † 23.7.1969; die Eltern stammten aus Hasenfeld; er wohnte später in Nideggen-Berg und war Verleger der „Kölnischen Rundschau“). Die Geschichte des kleinen Venndorfs, das heute ein Stadtteil von Monschau ist und ehemals zum Dekanat Zülpich und zur Wehrmeisterei gehörte, reicht auch in unser Dorf hinein. „An einer Stelle (S. 91) erwähnt er auch das in der Konzener Kirche befindliche Grabmal der Elisabeth von Rolshausen, die am 13. Juni 1583 als Gattin des Johann von Reuschenberg zu Lüppenauel starb. Auch ihr einziger Sohn Wilhelm († 9. Februar 1588) ist in Konzen begraben, wo sein Grabstein noch vorhanden ist.

An diese Edelfrau von Lüppenauel knüpft sich eine interessante Sage (siehe Laumens: Geschichte des Montjoier Landes I, S. 124): Sie habe so ungestüm darum gebetet, der Himmel möge ihr ein Kind schenken, auch wenn es nur ein Krüppel ohne Arme und Beine wäre, daß dieses Gebet in Erfüllung ging. Aber das Kind hatte verkrüppelte bzw. halbe Gliedmaßen. Auf ihrem Grabmal ist sie beim Gebet vor dem Kruzifix dargestellt. Früher soll sich auch eine Darstellung eines verkrüppelten Kindes auf dem Grabmal befunden haben. „Die Darstellung desselben mit halben Aermchen und Beinchen (Froschgestalt oder Hüpfen) ist von meinem Vorgänger 1869 … entfernt worden, weil manche daran Anstoß genommen hätten,“ erzählt Laumens.

Vielleicht handelt es sich dabei um den erwähnten 1588 gestorbenen Sohn Wilhelm. Elisabeth von Rolshausen hatte aber noch eine Tochter Agnes, die Gottfried von Harff zu Harff heiratete, wodurch Lüppenauel in den Besitz der Familie von Harff kam, von der es später an die Freiherrn von Spieß=Büllesheim kam. – Hoffmann (Sagen aus dem Rurtal, S. 20) erzählt diese Sage von der Mißgeburt unter Abenden, aber ohne jeden Hinweis darauf, daß es sich um die Herrin von Lüppenauel handelte, was allein ihre Aufnahme unter Abenden rechtfertigt.“

Bei Heinrich Hoffmann liest man:

48. Die Mißgeburt

Mündlich von Herrn Archivdirektor Rich. Pick aus Aachen.

In der Pfarrkirche zu Konzen ist ein Bild, auf dem eine Frau knieend vor einem Kruzifix dargestellt ist. Die Mißgeburt in Gestalt eines Frosches ist, weil sie bei manchem Anstoß erregt haben soll, entfernt worden. Die Volkssage weiß über dieses Bild folgendes zu berichten. Einst lebte in Konzen ein Ehepaar, denen Kindersegen lange Jahre versagt blieb. Da eifriges Gebet nichts half, so war die Frau unzufrieden, murrte über ihr Schicksal und haderte mit dem lieben Gott. Endlich schenkte sie einem Kinde das Leben. Es war eine Mißgeburt. nach einigen soll das Kind ohne Arme und Beine zur Welt gekommen sein, nach anderen hatte es die Gestalt eines Frosches. Zum Andenken daran und zur Warnung für solche Eheleute, die über ein solches Schicksal unzufrieden sind, habe man das Bild mit der knieenden Mutter und ihrer Mißgeburt gemalt und in der Kirche zu Konzen aufgehängt.


Das Festmachen

Als es noch keine Eisenbahnen gab, mußte alles mit der Achse auf den damals schlechten Wegen, die manchmal knietiefe Fahrgeleise hatten, befördert werden. In Abenden erzählte man sich in jener Zeit viel vom Festmachen. Darunter verstand man das unerklärliche Stillstehen eines Gefährtes auf ebener Straße und nicht das Festfahren in den Fuhrgeleisen. Eines Abends blieben einem Abendener wie mit Zauberschlage die Pferde auf ebenem Wege stehen. Alle Versuche, die Tiere von der Stelle zu bringen, waren vergeblich. Da fiel dem Fuhrmann ein glücklicher Gedanke ein. Er ergriff eine der Klappern – diese befanden sich in damaliger Zeit an den Rädern, drei bis vier an der Seite, um durch Eingreifen in die Speichen der Räder die Schnelligkeit des Fahrens bergab zu hemmen – und schlug mit starker Hand in die Speichen eines Rades. Augenblicklich war der Zauber gelöst, und die Tiere fuhren mit leichter Mühe weiter. Zu gleicher Zeit stürzte der böse Nachbar des Fuhrmannes, der Urheber des Zaubers, der nicht weit davon hinter der Hecke stand, wie mit zerschlagenen Gliedern zu Boden.

 

Der Roßberg

Nideggen schräg gegenüber liegt auf der anderen Rurseite der tannengekrönte Roßberg, der trotzig und düster sein Haupt zum Himmel erhebt. In stürmischen Nächten, besonders vor heiligen Tagen, umtobt seine Gipfel die wilde Jagd, die manchen friedlichen Wanderer mit Grausen erfüllt hat. So kam auch eines Abends ein Nidegger über den Roßberg. Da stürmte in der nächtlichen Stille plötzlich das wilde Geisterheer dahin. Erschreckt fuhr er zusammen, als neben ihm aus dem Gezweig der Bäume Knochen herabfielen. Beim Weitereilen fiel ihm ein, daß er sein Glück hätte begründen können; denn oft hatte man ihm erzählt, daß sich die Knochen in Gold verwandelten. In freudiger Erwartung kehrte er um, fand aber zu seinem Bedauern nichts mehr vor. Vom Roßberge erzählte man viel, daß dort in der wilden Jagd mit Knochen geworfen werde. Auch sah man da an einer Stelle zu gewissen Zeiten ein Feuerchen brennen, um das sich eine kleine Gestalt hin- und herbewegte. Keiner fand den Mut, den vergrabenen Schatz, der dort in dem Feuer zum Vorschein kam, zu heben.

Literaturnachweis für alle vier Teilbereiche:

–       Brandenburg, Franz J: Abenden – wie es war, Ein historischer Rundgang durch die Perle des Rurtals, Abenden 1997
–       Brandenburg, Doris und Franz J.: Abenden  – Daten zur Geschichte eines kleinen Rurdorfs am Rand der Nordeifel; Teil 1; Abenden 1998
–       Brandenburg, Doris und Franz J.: Abenden  – Daten zur Geschichte eines kleinen Rurdorfs am Rand der Nordeifel; Teil 2; Nideggen 2008
–       Brandenburg, Doris und Franz J.: Abenden  – Daten zur Geschichte eines kleinen Rurdorfs am Rand der Nordeifel; Teil 3 (in Vorbereitung) 

 

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